Pressemitteilungen - FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 07.04.2017:

Fällaktion in Wachendorf wird überprüft

Lingener Tagespost - Lokales

Die Stadt Lingen hat bei Wachendorf auf einer Fläche von elf Hektar Nadelbäume gefällt. Zur Frage, ob dies rechtmäßig war, bestehen unterschiedliche Auffassungen. Im Umweltausschuss der Stadt haben mehrere Bürger die Aktion scharf kritisiert.

Von Wilfried Roggendorf

Lingen. Stadtbaurat Lothar Schreinemacher erklärte, dass es für die Abholzung laut Waldgesetz keiner Genehmigung bedurft hätte, wenn die Maßnahme in einem Bebauungs- oder Flächennutzungsplan geregelt sei. „Da dies der Fall ist, ist die Stadt Lingen der Auffassung, dass wir nach Recht und Gesetz gehandelt haben“, betonte der Stadtbaurat im Ausschuss.

Dies sieht der Landkreis Emsland als Untere Waldbehörde anders. „Ein schriftlicher Antrag und eine Genehmigung hätten zumindest für eine drei Hektar große Teilfläche erfolgen müssen“, erklärte eine Sprecherin des Landkreises auf Nachfrage. Der Landkreis prüfe derzeit, ob es – wie von der Stadt Lingen erklärt – für die weiteren acht Hektar der abgeholzten Fläche eine entsprechende Regelung in einem Bebauungsplan gebe.

Es habe hierzu bereits ein erstes Gespräch zwischen Stadt, Landkreis und den Niedersächsischen Landesforsten stattgefunden. „Das weitere Vorgehen hängt vom Ergebnis der Prüfung ab“, erklärte die Sprecherin des Landkreises. Für die Fläche von drei Hektar müsse überprüft werden, ob eine Wiederaufforstung des Waldes an selbiger Stelle notwendig werde oder eine nachträgliche Genehmigung für eine Waldumwandlung ausgesprochen werden könne, die Ersatzaufforstungen an anderer Stelle nötig mache.

Schreinemacher bestätigte, dass es ein „konstruktives“ Gespräch gegeben habe. „Wir tauschen jetzt Unterlagen aus und haben uns gegenseitig eine Prüffrist gesetzt“, sagte der Stadtbaurat im Umweltaussschuss. Ein weiteres Gespräch mit den Landesforsten werde nach Ostern stattfinden. „Der Knoten löst sich durch die rechtliche Klärung hoffentlich auf“, erklärte Schreinemacher.

Jens Beeck (FDP) sagte, er habe keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung die Sache aufklären werde: „Ein rechtzeitiger Hinweis im Umweltausschuss auf die Maßnahme wäre allerdings angebracht gewesen.“ Diese Ansicht vertrat auch Ulrich Witte, der im Ausschuss die Deutsche Bundesstiftung Umweltschutz vertritt. Man solle darüber nachdenken, wie die Fällaktion kommuniziert worden sei. „Das ist ein einziges Kommunikationsdesaster“, erklärte Witte.

Mehrere Bürger taten in der Einwohnerfragestunde ihren Unmut über die Fällaktion in Wachendorf kund. „Sie holzen Wald ab, um eine Sandfläche zu schaffen. Wann hören Sie endlich auf damit?“, wollte beispielsweise ein Einwohner wissen. Ein anderer erklärte, dass er in Wachendorf nicht in der Wüste wohnen wolle. Seine Eltern hätten gekämpft, um „die Wälder ans Wachsen zu bekommen“. Der Stadtbaurat solle ihm nicht erzählen, dass die geplante Heidelandschaft höherwertiger als Wald sei. Der Bürger griff auch Karin Schreiner vom Fachdienst Umwelt der Stadt an: „Mit einer Fanatikerin kann man nicht diskutieren.“ Schreinemacher wies dies zurück: „Sie sollten die Kritik nicht an Personen festmachen.“ Die Untere Naturschutzbehörde sei Teil des Baudezernates, für das er verantwortlich sei, stellte sich Schreinemacher vor seine Mitarbeiterin.

Es gab jedoch auch eine positive Stimme für die Maßnahme. Pädagoge Arnold Sennhauser pflegt seit mehr als 20 Jahren mit Schülern der Marienschule eine benachbarte Fläche, die seinerzeit ebenfalls abgeholzt worden war. „Ich kann die Maßnahme befürworten, weil dort eine wunderbare Heidelandschaft, die höherwertiger als Wald ist, mit vielen seltenen Tierarten entstanden ist.“ Der Biologielehrer hatte unter anderem für diese Pflegemaßnahmen auch den Lingener Umweltpreises 2012 erhalten.
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