Pressemitteilungen - FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 20.10.2017:

Immer weniger niedrigschwellige Angebote - Sozialverbände machen in Lingen auf Armut aufmerksam

Text und Foto: Christiane Adam
Text und Foto: Christiane Adam
Lingener Tagespost - Lokales vom 20.10.2017

Lingen. Warme Socken kann sich doch jeder leisten, oder? Einen Stand unter diesem Motto und mit selbstgestrickten Socken haben am 18. Oktober 2017 Mitarbeiterinnen der drei katholischen sozialen Verbände am Rande des Lingener Wochenmarktes aufgestellt.

Die Geschäftsführer der Verbände Hermann-Josef Schmeinck (SKM), Marita Theilen (SKF) und Marcus Drees (Caritas) hatten Vertreter aus Politik und Kirche zu einem Austausch dazu gebeten. Monika Schwegmann, Dezernentin der Stadt Lingen für Jugendhilfe, Arbeit und Soziales, der neugewählte FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Beeck sowie Dekanatsreferent Holger Berentzen als Vertreter der katholischen Kirche sind der Einladung gefolgt.

Acht Prozent der Kinder im Emsland von Armut betroffen

„Trotz guter Zahlen und Prognosen im Emsland sind acht Prozent von Armut betroffene Kinder noch zu viel“, berichtete Theilen vom SKF. „Auch ist das Risiko für Frauen durch Erziehungszeiten und Geringverdienst zu verarmen, hoch. Mit diesem Aktionsstand möchten wir heute auf diese und alle anderen von Armut betroffenen oder bedrohten Menschen hinweisen.“

Wohnungsnot treibt Menschen um

Schmeinck vom SKM erläuterte: „Armut ist mehr als die Abwesenheit von Geld. Arm sein bedeutet, man kann nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und man ist öfter krank.“ Caritasvertreter Drees ergänzte: „Strukturelle Fragen, insbesondere die Wohnungsnot, treiben nicht nur die Menschen in Ballungsgebieten um, sondern immer mehr auch hier im Emsland.“

Wohnungsbau und Teilhabe

Die Stadt Lingen habe das Problem erkannt und beschäftige sich mit dem Thema sozialer Wohnungsbau. Auch habe die Stadt ein Bildungs- und Teilhabepaket für Jugendliche bis zu 18 Jahren geschnürt, erklärte Schwegmann. „Man muss aber darüber wissen“, schränkte sie ein.

Mit- und nicht gegeinander

Beeck, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Emsland und Vorstandsmitglied im Seniorenverein Gelingen, bescheinigte weitgehende Einigkeit innerhalb der städtischen Einrichtungen, was den Bedarf der Menschen betrifft. „Trotz mancher Überschneidung unserer Klientel arbeiten die vielen Vereine in der Stadt immer mit- und nicht gegeneinander. Was aber zusehends fehlt, sind niedrigschwellige Angebote“, betonte er.

Leute kommen einfach rein

Sabine Bröker, beim SKM in der allgemeinen sozialen Beratung tätig und ihre Kollegin Brigitte Hellen mit derselben Tätigkeit beim SKF können dies aus ihrem Berufsalltag als zutreffend beschreiben. „Die Leute entscheiden oft ganz kurzfristig, sich Hilfe zu holen. Auch, wenn nicht gleich alles gelöst werden kann, ist dann schon mal etwas ins Rollen gebracht worden“, schildert Bröker. „Es ist unser Alltag, dass die Leute einfach reinkommen und es einfach so losbrodelt, zum Beispiel:Ich lasse mich scheiden, und wovon soll ich denn jetzt leben“, beschreibt Hellen.

Überbordende Bürokratie

„Bei jeder dritten Anfrage geht es inzwischen um bezahlbaren Wohnraum“, bekräftigt Bröker die von Drees angesprochenen Überlegungen. Auch der Abbau überbordender Bürokratie gehört für Beeck dazu, wenn es um die Beseitigung von Hindernissen bei der Hilfe für Betroffene geht. „Selbst ich als Anwalt weiß gar nicht mehr, wem was zusteht“, beklagt er die undurchschaubaren Vorschriften.

Raumsuche scheitert an Mieten

Berentzen ist Ansprechpartner für das Projekt „Kirche leben in Lingen“, das seit April als Teil des Netzwerkes Citykirchenprojekte besteht. „Ich suche jetzt ein Ladenlokal in der Stadt, um Menschen einen Anlaufpunkt zu bieten. Hier sollen Fragende einfach Unterstützung finden, ohne sich outen zu müssen“, erläutert er. Bislang scheitere es allerdings an den Mietpreisen. „Im Moment ist das Projekt noch in einem Raum im Turm der Kirche St. Bonifatius“, allerdings empfinde er dies auch eher als Hemmnis.
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